michael herrschel:
alpha trianguli

 

Musik, neue Musik:
ein Rätsel für die Ewigkeit.
Berufene sprechen es aus. Wir beide.
Unbeirrt vom fressenden Zweifel,
vom rauschenden Beifall, vom tückischen
Gezisch der schönen Welt fühlen wir
den Anhauch der Unsterblichkeit.
Lösen uns von der schmutzigen Erde.
Laufen hinaus in die unangetastete,
unermessliche, schwindel­erregende
nachtschwarze Weite des Alls.

Dort warten verblichen und kalt
die großen alten Sternenzüge.
Wir befreien sie von Staub und Asche:
den Widder, die Andromeda.
Dazwischen, auf leerem Feld,
bilden wir selbst ein Zeichen.
In brennender Lust scheinen wir
hinunter auf die Erde. Ein ewiges
Doppelgestirn: Du das geheime A,
und ich das B, das öffentliche.
Dir friedlich beigesellt, muss ich
ein wenig heller glühen und leuchten,
wenn du verstockt verstummst,
an Flammen dich verschluckst,
entgleitest in Traumtrunkenheit.

Lass dich ansehen. Ganz tief.
In deine geisterhaften Strahlen
mischt sich das Funkeln eines
dritten Sterns, den du begrüßt
als willkommenen Gast.
Und ich kanns dir nicht sagen,
was das für mich bedeutet.
Triangulum… Glückliche Verwirrung.
Reifliches Verschweigen.
Ein rieselnder Schauer durchfährt mich,
blendet mich. Myriaden Eiskristalle,
frostige Gespinste, Lichtgestöber,
grausam glitzernd. Ein fremdes Klirren
fegt alles Empfinden aus mir fort.

 

copyright by michael herrschel (gema-nr. 704152)